Neue Sportart ausprobieren: der ehrliche Check vor der ersten Stunde

Du willst wieder Sport machen. Nicht ins Fitnessstudio, sondern etwas, auf das du dich freust. Das ist eine deutlich schwierigere Frage.

Wie finde ich eine Sportart, die ich wirklich durchziehe?

Nicht über einen Test, sondern über drei Termine. Such dir zwei bis drei Sportarten aus, die dich neugierig machen, und geh bei jeder einmal hin. Erst danach weißt du, ob du die Halle magst, ob dir die Leute liegen und ob du nach der Stunde gut gelaunt rausgehst. Das lässt sich vorher nicht ausrechnen.

Der häufigste Grund, warum es nicht klappt, ist banal: Du weißt am Dienstagabend nicht mehr, wie der Verein hieß, bei dem es ein Probetraining gab. Die Entscheidung war nie das Problem. Das Wiederfinden war es.

Fünf Sportarten mit ehrlichem Einstiegscheck

Keine 30er Liste, sondern fünf Sportarten mit sehr unterschiedlichen Einstiegshürden. Bei jeder steht dabei, für wen sie eher nichts ist.

  • Bouldern

    Klettern ohne Seil in Absprunghöhe. Eintritt plus Leihschuhe liegt meist im Bereich eines Kinobesuchs, mehr brauchst du am Anfang nicht. Du kannst allein hingehen, ohne dass es komisch ist, und nach zwei Stunden merkst du in den Unterarmen, dass du da warst.

    Passt gut, wenn:
    Du willst sofort anfangen und niemanden fragen müssen.
    Eher nicht, wenn:
    Du brauchst feste Zeiten und eine Gruppe, die dich erwartet.
  • Padel

    Tennis auf kleinem Platz mit Wänden, deutlich leichter zu lernen als Tennis. Der Haken: Du brauchst vier Leute und einen Platz, der gebucht werden will. Wer keine Gruppe hat, kommt über offene Runden rein, die viele Anlagen anbieten.

    Passt gut, wenn:
    Ihr seid ohnehin zu viert und sucht etwas Gemeinsames.
    Eher nicht, wenn:
    Du willst spontan allein losziehen.
  • Schwimmen im Verein oder Kurs

    Die unterschätzteste Erwachsenensportart. Technikkurse für Erwachsene gibt es fast überall, und der Unterschied zwischen Planschen und sauberem Kraulen ist nach sechs Terminen deutlich spürbar. Gelenkschonend, wetterunabhängig, ganzjährig.

    Passt gut, wenn:
    Dein Rücken oder deine Knie machen Laufen schwierig.
    Eher nicht, wenn:
    Du willst Sport, bei dem du dich mit anderen misst.
  • Discgolf

    Frisbee auf einem Parcours, meist im Park und meist kostenlos. Drei Scheiben liegen ungefähr im Bereich eines Restaurantbesuchs, danach fallen keine laufenden Kosten an. Wer eine Sportart sucht, die auch mit einem Kater funktioniert, ist hier richtig.

    Passt gut, wenn:
    Du willst raus, ohne dich anzumelden oder umzuziehen.
    Eher nicht, wenn:
    Du suchst Ausdauertraining mit messbarem Fortschritt.
  • Kampfsport im Verein

    Judo, Karate, BJJ oder Boxen. Vereine bieten fast immer ein bis zwei kostenlose Trainings zum Reinschnuppern an. Der Einstieg ist sozial anstrengender als bei anderen Sportarten, dafür ist die Bindung danach am stärksten, weil du feste Trainingspartner hast.

    Passt gut, wenn:
    Du brauchst Verbindlichkeit, damit du wirklich hingehst.
    Eher nicht, wenn:
    Körperkontakt mit Fremden ist für dich ein Ausschlusskriterium.

Wo du eine Sportart ausprobierst, ohne dich zu binden

  • Probetraining im Verein

    Der günstigste Weg überhaupt, und der am meisten unterschätzte. Fast jeder Verein lässt dich ein bis zwei Mal kostenlos mittrainieren. Eine kurze Mail mit deinem Alter und der Frage, wann ein guter Termin wäre, reicht.

  • Hochschulsport, auch ohne Studium

    Viele Hochschulen öffnen ihr Sportprogramm für Externe. Die Semestergebühr liegt oft im Bereich von ein bis zwei Monatsbeiträgen im Fitnessstudio, und dafür bekommst du Zugang zu dutzenden Kursen.

  • Volkshochschule und Stadtkurse

    Kurzkurse über sechs bis zehn Termine sind ideal zum Ausprobieren, weil sie ein Ende haben. Du verpflichtest dich nicht auf ein Jahr, sondern auf anderthalb Monate.

  • Vereinssuche über die Bewegungslandkarte

    Der Deutsche Olympische Sportbund betreibt eine bundesweite Karte mit Vereins- und Bewegungsangeboten, inklusive Schnuppertagen. Das ist deutlich brauchbarer als eine Google Suche nach dem Sportnamen plus Stadt.

  • Die erste Stunde von jemandem, der es schon macht

    Der mit Abstand beste Einstieg. Wer schon dabei ist, nimmt dir die Hälfte der Unsicherheit ab, erklärt die Umkleide und stellt dich vor. Frag konkret nach einem Termin, nicht allgemein nach Interesse.

Woran es meistens scheitert, und es ist nicht die Motivation

Die typische Reihenfolge sieht so aus: Du siehst ein Video von einer Sportart, findest sie interessant, googelst kurz, findest einen Verein und denkst dir, das mache ich nächste Woche. Zwischen diesem Moment und dem freien Abend liegen meistens fünf bis zehn Tage, in denen zweihundert andere Dinge passieren. Nächste Woche ist der Verein weg, nicht aus dem Internet, sondern aus deinem Kopf. Mit Willensstärke hat das nichts zu tun.

Was hilft, ist eine kleine Sache: Halt den Fund sofort fest, und zwar mit dem Detail, das später zählt. Nicht „Bouldern“, sondern „Boulderhalle im 15., Dienstag Anfängerkurs 19 Uhr, laut Jonas nicht überlaufen“. Der Unterschied zwischen diesen beiden Notizen entscheidet darüber, ob du hingehst.

Ein Vier Wochen Plan, der ohne Disziplin funktioniert

  • Woche 1: drei Kandidaten festhalten

    Nicht recherchieren, nur sammeln. Was dir über den Weg läuft, kommt an einen Ort, mit Ort, Termin und dem Grund, warum es dich interessiert hat.

  • Woche 2: eine Mail schreiben

    Nur eine, an den Verein, der am nächsten liegt. Zwei Sätze reichen. Die Antwort kommt meistens innerhalb von zwei Tagen und macht aus einer Idee einen Termin.

  • Woche 3: einmal hingehen

    Ohne Ausrüstung zu kaufen. Wer sich vorher für 200 Euro ausstattet, baut Druck auf, der beim zweiten Mal im Weg steht.

  • Woche 4: ehrlich einschätzen

    Zwei Fragen: Wie war der Weg dorthin, und wie ging es dir danach? Wenn der Weg nervt und du danach müde statt gut gelaunt warst, ist es die falsche Sportart. Das ist kein Scheitern, das ist ein Ergebnis.

  • Danach: der zweite Kandidat

    Wenn du drei Sportarten festgehalten hast, ist die zweite in fünf Sekunden gefunden. Genau dafür lohnt sich das Sammeln in Woche 1, und genau da hilft eine Liste mehr als ein guter Vorsatz.

Wenn du die Kandidaten nicht im Kopf behalten willst

Drei Sportarten, zwei Vereine und ein Kurstermin sind schon zu viel für die Notizen-App, in der auch der Einkaufszettel steht. Wir haben Swiva unter anderem für diesen Fall gebaut: Du teilst das Video, die Vereinsseite oder den Screenshot vom Kursplan direkt an die App und schreibst in einem Satz dazu, warum es dich interessiert hat.

Wenn dann ein Dienstagabend frei ist, öffnest du die Liste statt zu überlegen. Das ist der ganze Trick, und er funktioniert auch mit einem Zettel am Kühlschrank. Nur geht der Zettel nicht mit, wenn du unterwegs ein Plakat siehst.

Der zweite Teil ist der, an dem der Zettel scheitert: Er meldet sich nicht. Genau die fünf bis zehn Tage zwischen Begeisterung und freiem Abend sind die Strecke, auf der die Idee verloren geht. Swiva erinnert dich nach ein paar Tagen ohne Aktivität an eine konkrete Sache aus deinen Listen, höchstens dreimal pro Woche, und lässt dich in Ruhe, wenn du nicht reagierst. Beim Durchgehen kommt immer eine Karte nach der anderen, nie eine Wand aus zwanzig Vorschlägen. Für eine Entscheidung, die du seit Wochen vor dir herschiebst, ist das ein deutlicher Unterschied.

Kurz noch geklärt

Welche Sportart passt zu mir?

Das lässt sich mit einem Test nicht seriös beantworten. Was funktioniert: zwei bis drei Sportarten auswählen, bei jeder einmal hingehen und danach zwei Fragen beantworten. War der Weg dorthin okay, und wie ging es dir danach? Beides sagt mehr aus als jedes Quiz.

Wo kann ich eine Sportart kostenlos ausprobieren?

Im Verein. Fast alle bieten ein bis zwei kostenlose Probetrainings an, sie werben nur selten damit. Dazu kommen Schnuppertage und offene Angebote, die der DOSB in seiner Bewegungslandkarte bundesweit sammelt.

Ich bin unsportlich. Ist das ein Problem?

Bei Anfängerkursen und im Verein selten. Die Gruppen sind darauf ausgelegt, dass Leute neu anfangen. Schwieriger sind offene Runden bei Sportarten wie Padel, wo alle schon spielen können und du mitten reinkommst.

Soll ich mir erst Ausrüstung kaufen?

Nein. Fast überall gibt es Leihmaterial für die ersten Male, und wer vorher viel Geld ausgibt, baut Druck auf. Kauf erst nach dem dritten Termin, dann weißt du auch, was du wirklich brauchst.

Wie merke ich mir Vereine und Kurse, die mir auffallen?

Halt sie in dem Moment fest, in dem sie dir auffallen, und schreib das Detail dazu, das später zählt: Ort, Uhrzeit und warum es interessant war. In Swiva teilst du das Video oder die Vereinsseite direkt in eine Liste, aus der du dir später eine Sache aussuchst.

Deine nächste gute Idee darf bleiben.

Speicher sie in Swiva und greif darauf zurück, wenn du wirklich Zeit dafür hast.

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