WG-Unternehmungen: was geht, wenn alle Zeit haben und keiner Geld

Fünf Leute im Wohnzimmer, alle haben Zeit, keiner hat einen Vorschlag. Am Ende bestellt ihr wieder etwas und schaut irgendwas.

Was kann man als Studi oder WG unternehmen, ohne viel Geld?

Deutlich mehr, als die meisten nutzen, weil ein großer Teil davon über die Hochschule läuft und schlecht beworben wird. Hochschulsport kostet an vielen Unis pro Semester ungefähr so viel wie ein oder zwei Monatsbeiträge im Fitnessstudio, und dafür stehen dutzende Kurse offen, von Bouldern bis Standardtanz.

Dazu kommen Kulturbüros und Wohnheimtutorien der Studierendenwerke mit Theatergruppen, Foto- und Schreibkursen, dazu Ermäßigungen in Kinos, Theatern und Museen, die fast überall existieren und fast nirgends offensiv angezeigt werden. Der begrenzende Faktor ist bei den meisten nicht das Budget, sondern dass niemand weiß, was es gibt, wenn spontan ein Abend frei ist.

Was tatsächlich günstig ist, mit ehrlicher Einordnung

  • Hochschulsport

    Der mit Abstand beste Gegenwert im ganzen Studium. Eine Semestergebühr, dutzende Kurse, feste Termine und Leute, die jede Woche wiederkommen. Der Haken: Die Anmeldung läuft meistens in einem einzigen Zeitfenster zu Semesterbeginn, und wer es verpasst, wartet ein halbes Jahr.

    Passt gut, wenn:
    Ihr wollt etwas Regelmäßiges mit neuen Leuten.
    Eher nicht, wenn:
    Ihr sucht etwas für heute Abend.
  • Kulturermäßigungen

    Theater, Oper und Museen haben fast immer Studierendentarife, oft mit Restkarten kurz vor Beginn zu einem Bruchteil des Preises. Das ist der Weg, wie man mit kleinem Budget in eine Vorstellung kommt, die sonst nicht drin wäre.

    Passt gut, wenn:
    Ihr könnt kurzfristig entscheiden und seid vor Ort flexibel.
    Eher nicht, wenn:
    Ihr wollt Wochen vorher sicher planen.
  • Wohnheimtutorien und Kulturbüros

    Koch- und Spieleabende, Theatergruppen, Foto- und Schreibkurse, organisiert vom Studierendenwerk. Kostet oft nichts und ist der leichteste Weg, Leute außerhalb des eigenen Studiengangs zu treffen.

    Passt gut, wenn:
    Du bist neu in der Stadt und kennst kaum jemanden.
    Eher nicht, wenn:
    Du hast schon eine feste Gruppe und suchst etwas für genau die.
  • Abos teilen

    Streaming, Musik, Software, teilweise auch Sportangebote. In einer WG die naheliegendste Ersparnis, und die einzige auf dieser Liste, bei der ihr nichts unternehmt, sondern nur weniger zahlt.

    Passt gut, wenn:
    Ihr nutzt ohnehin dieselben Dienste.
    Eher nicht, wenn:
    Ihr sucht etwas, das euch aus der Wohnung bringt.

Ideen für den Abend, an dem niemand einen Vorschlag hat

  • Kochabend mit fremdem Rezept

    Nicht das, was ihr sowieso kocht. Eine Person sucht ein Rezept aus, das keiner kennt, alle zahlen ihren Anteil, und der Abend hat automatisch ein Thema. Deutlich besser als Nudeln mit Diskussion.

  • Stadtteil, in dem keiner von euch wohnt

    Eine Haltestelle aussuchen, hinfahren, laufen. Kostet ein Ticket und funktioniert auch in Städten, die ihr angeblich schon kennt. Am besten mit einer Regel, zum Beispiel nur Straßen mit Bäumen.

  • Restkarten am selben Abend

    Vor Vorstellungsbeginn an der Kasse fragen. Theater, Konzert, Oper. Ihr wisst vorher nicht, was ihr seht, und genau das macht es zu einem Abend, über den ihr noch redet.

  • Uni-Veranstaltungen außerhalb eures Fachs

    Gastvorträge, Filmreihen, Podiumsdiskussionen, meistens offen und kostenlos. Ein Vortrag über etwas, von dem ihr nichts versteht, ist unterhaltsamer als er klingt.

  • Turnier statt Spieleabend

    Dasselbe Spiel, aber mit Tabelle über mehrere Wochen. Der Unterschied ist, dass es einen Grund gibt, sich nächste Woche wieder zu treffen, und genau daran scheitern WG-Abende meistens.

Warum es an der Entscheidung scheitert und nicht am Angebot

In einer WG oder Studigruppe gibt es zwei Probleme, die zusammen dafür sorgen, dass nichts passiert. Das erste ist die Zahl der Leute: Bei fünf Personen mit gleichem Stimmrecht gewinnt fast immer der kleinste gemeinsame Nenner, und der heißt Sofa.

Das zweite ist der Zeitpunkt. Die guten Ideen entstehen unter der Woche, wenn jemand ein Plakat sieht oder ein Reel schickt. Gebraucht werden sie am Freitagabend, wenn alle da sind. Zwischen diesen beiden Momenten liegt der Gruppenchat, und im Gruppenchat überlebt ein Vorschlag ungefähr zwei Stunden.

Was in der Praxis hilft, ist eine gemeinsame Liste, in die jeder reinschreiben darf, ohne dass daraus sofort eine Diskussion wird. Etwas hineinzulegen bedeutet nicht, dass ihr es macht. Genau diese Trennung nimmt den Druck raus, und plötzlich sammelt sich etwas an, statt dass jeder Vorschlag sofort zerredet wird.

So kommt eine WG-Liste zustande, die niemand pflegen muss

  • Eine Liste, nicht vier

    Nicht nach Kategorie trennen. In einer WG reicht eine Liste mit allem, weil ihr sowieso gemeinsam durchgeht, wenn ein Abend frei ist.

  • Reinlegen ist unverbindlich

    Die wichtigste Regel. Wer etwas hineinlegt, schlägt es nicht vor und muss es nicht verteidigen. Sonst legt nach zwei Wochen niemand mehr etwas rein.

  • Preis pro Person dazuschreiben

    In einer Gruppe mit unterschiedlichen Budgets ist das keine Kleinigkeit, sondern der Unterschied zwischen mitkommen und stillschweigend absagen. Zwei Zahlen genügen.

  • Freitags durchgehen statt vorschlagen

    Die Liste öffnen und eine Sache nach der anderen ansehen dauert vier Minuten. Eine offene Runde „was wollen wir machen“ dauert vierzig und endet auf dem Sofa. In Swiva swipt ihr dafür gemeinsam durch die Liste.

Kurz noch geklärt

Was kann man als Student mit wenig Geld unternehmen?

Am meisten Gegenwert bringt der Hochschulsport, weil eine Semestergebühr dutzende Kurse öffnet. Dazu kommen Restkarten im Theater, kostenlose Uni-Veranstaltungen und die Angebote der Studierendenwerke, die kaum jemand kennt.

Wie viel kostet Hochschulsport?

Das hängt von der Hochschule ab, liegt aber häufig in der Größenordnung von ein bis zwei Monatsbeiträgen im Fitnessstudio, und zwar für ein ganzes Semester. Wichtig ist der Anmeldezeitpunkt: Viele Kurse sind innerhalb weniger Stunden voll.

Warum entscheidet sich unsere WG nie für etwas?

Weil eine offene Frage in einer Gruppe von fünf Leuten fast immer beim kleinsten gemeinsamen Nenner landet. Konkrete Optionen, die nacheinander bewertet werden, funktionieren deutlich besser als die Frage, was ihr machen wollt.

Wie merken wir uns Ideen, die unter der Woche auftauchen?

Nicht im Gruppenchat, da überlebt ein Vorschlag etwa zwei Stunden. Eine gemeinsame Liste mit der Regel, dass Reinlegen unverbindlich ist, sammelt über Wochen genug an, dass ihr am Freitag etwas zu entscheiden habt.

Was tun, wenn die Budgets in der Gruppe sehr verschieden sind?

Preis pro Person dazuschreiben, immer. Das klingt kleinlich und verhindert genau die stillen Absagen, bei denen jemand nicht mitkommt und nicht sagt warum. Und mindestens ein Drittel der Liste sollte nichts kosten.

Deine nächste gute Idee darf bleiben.

Speicher sie in Swiva und greif darauf zurück, wenn du wirklich Zeit dafür hast.

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